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Warum Rabatte Kunden nicht loyal machen

  • 15. März
  • 6 Min. Lesezeit

Loyalitätsprogramme entwickeln sich im Retailbanking zunehmend von einem Marketinginstrument zu einem strategischen Werkzeug der Kundenbindung. Entscheidend ist dabei weniger der monetäre Wert der Belohnung als ihre Wahrnehmung: Punktesysteme wirken oft stärker als direkte Rabatte, sofern sie Fortschritte sichtbar machen und emotionale Anreize schaffen.


Gleichzeitig müssen solche Programme wirtschaftlich tragfähig sein. Die Kosten dürfen langfristig nicht höher sein als ein vergleichbarer Preisnachlass auf Bankprodukte. Erfolgreiche Loyalitätsprogramme kombinieren deshalb mehrere Elemente – etwa Partnerangebote, gezielte Belohnungen für gewünschtes Kundenverhalten oder Einlösungen innerhalb der eigenen Bankprodukte. Richtig gestaltet, werden sie zu einem System, das Kundenverhalten steuert und nachhaltigen strategischen Wert schafft.


Naturszene


Bindung und Steuerung

Loyalitätsprogramme sind in vielen Branchen ein wichtiges Instrument zur Kundenbindung. Auch Banken nutzen Punktesysteme zunehmend, um ihre Angebote attraktiver zu machen und Kunden langfristig an sich zu binden und ihr Verhalten zu steuern. Der Nutzen solcher Programme liegt nicht nur im finanziellen Vorteil, sondern vor allem in ihrer Wirkung auf die Wahrnehmung der Kunden.


Punkte erzeugen einen Sammel- und Fortschrittsmechanismus. Kunden sehen, wie ihr Punktestand wächst, und erleben dadurch ein Gefühl von Fortschritt. Das kann emotional stärker und länger wirken als ein klassischer Rabatt. Für Banken ist dies besonders relevant, weil viele Bankprodukte heute kaum noch unterscheidbar sind. Zudem sind Rabatte auf Bankprodukte sehr teuer. Ein Loyalitätsprogramm kann deshalb eine zusätzliche Ebene der Kundenbindung schaffen, die über den Preis hinausgeht und auch ökonomisch vertretbar ist.



Der gefühlte Nutzen

Der Erfolg von Loyalitätsprogrammen lässt sich nur teilweise durch den tatsächlichen Geldwert der Belohnung erklären. Entscheidend ist häufig der gefühlte Nutzen für den Kunden. Menschen bewerten Belohnungen unterschiedlich, je nachdem wie sie dargestellt werden. Punkte werden oft wie eine eigene kleine Währung wahrgenommen und nicht wie normales Geld.


Dadurch entsteht ein psychologischer Effekt: Selbst kleine Belohnungen können attraktiv wirken. Für Banken bedeutet das, dass die entsprechende Ausgestaltung des Programms wichtig ist. Fortschrittsanzeigen, erreichbare Ziele und kleine Zwischenbelohnungen erhöhen die Motivation. Ohne solche Elemente wirkt ein Loyalitätsprogramm schnell wie ein gewöhnlicher Rabatt, der kaum wahrgenommen wird.



Wie werden Punkte gesammelt?

Eine zentrale Frage bei Loyalitätsprogrammen lautet: Für welche Aktivitäten erhalten die Kunden Punkte und wie können sie eingelöst werden? Diese Entscheidung bestimmt, welches Verhalten eine Bank fördern möchte. Häufig werden Punkte für Kartenzahlungen vergeben, da sich dieses Modell einfach umsetzen lässt und im Markt sowie bei den Kunden bekannt ist.


Darüber hinaus können Programme auch andere Aktivitäten belohnen zum Beispiel wenn der Lohn auf das Konto eingeht, bei Börsenaufträgen, wenn Kunden digitale Dienstleistungen nutzen oder neue Kunden empfehlen. Je vielfältiger die belohnten Aktivitäten sind, desto stärker kann die Bank das Verhalten ihrer Kunden beeinflussen. Loyalitätsprogramme werden damit zu einem strategischen Instrument und nicht nur zu einer Marketingmassnahme.



Sichtbarkeit und Timing

Damit ein Loyalitätsprogramm wirkt, müssen Kunden ihre Fortschritte sehen können. Wenn Punkte gesammelt werden, ohne dass die Kunden dies bemerken, verliert das Programm einen grossen Teil seiner Wirkung.


Programme unterscheiden sich stark darin, wann und wie Punkte gutgeschrieben werden. Manche Programme buchen Punkte nur periodisch, etwa einmal pro Quartal. Andere zeigen den Punktestand fast sofort in der Banking-App an. Je kürzer die Zeit zwischen Handlung und Belohnung ist, desto stärker wird das Verhalten verstärkt. Anzeigen des Punktestands, Hinweise auf Fortschritte oder Erinnerungen an bald verfallende Punkte können zusätzlich die Aufmerksamkeit der Kunden erhöhen.



Wer kann Punkte nutzen?

Eine weitere wichtige Frage lautet, wer die gesammelten Punkte verwenden darf. In vielen Programmen sammeln mehrere Personen zusammen Punkte, etwa über Zusatzkarten innerhalb eines Haushalts. Der wahrgenommene Nutzen des Programms steigt, weil mehrere Personen zu einem gemeinsamen Ziel beitragen.


Gleichzeitig entstehen neue Herausforderungen. Die Bank muss entscheiden, ob Punkte übertragbar sind und wie digitale Gutscheine genutzt werden können. Auch Datenschutzfragen spielen eine Rolle, wenn mehrere Personen Zugang zu einem Loyalitätsprogramm haben. Die Gestaltung dieser Regeln beeinflusst sowohl die Attraktivität als auch die Sicherheit und Compliance eines Programms.



Einlösung der Punkte

Ein Loyalitätsprogramm ist nur dann attraktiv, wenn Kunden ihre Punkte sinnvoll einsetzen können. Typische Einlösungsmöglichkeiten sind Gutscheine, Produkte oder Dienstleistungen von Partnerunternehmen.


Einige Banken erlauben zusätzlich die Nutzung der Punkte für eigene Bankleistungen, etwa Gebührenreduktionen, Anlagegutschriften oder Zinsvorteile bei Hypotheken. Solche Lösungen können besonders attraktiv sein, sofern sie das Verhalten der Kunden aktiv steuern. Andernfalls sind die Programme nur kostspielige Rabattschlachten.



Cashback oder Punkte?

Einige Banken setzen statt Punkten auf Cashback-Programme, bei denen Kunden einen kleinen Teil ihrer Ausgaben als Geld zurückerhalten. Diese Modelle sind leicht verständlich und sprechen eine breite Kundengruppe an.


Allerdings fehlt ihnen häufig die emotionale Wirkung eines Punktesystems. Eine Cashback-Gutschrift verschwindet oft im normalen Kontostand und wird kaum wahrgenommen. Punkteprogramme werden als separate mentale Konten geführt und erzeugen durch Sammelmechanismen, Zielstufen oder Statuslevel mehr Motivation. Entscheidend ist daher weniger die Höhe der Belohnung als ihre Sichtbarkeit für die Kunden.



«Zentralbank» der Punkte

Aus wirtschaftlicher Sicht ähnelt ein Loyalitätsprogramm einem kleinen Währungssystem. Die Bank entscheidet, wie viele Punkte entstehen, wie sie eingesetzt werden können und welchen Wert sie für Kunden haben. Ein fixer «Wechselkurs» ist auf jeden Fall zu vermeiden.


Es stehen mehrere Steuerungsmöglichkeiten zur Verfügung: wie schnell Punkte gesammelt werden (Tempo der Punkteentstehung), wie viele Punkte für eine Belohnung benötigt werden und wie lange Punkte gültig bleiben. Gleichzeitig muss die Bank darauf achten, dass Kunden das System als fair empfinden. Wenn Punkte zu häufig entwertet werden, kann das Vertrauen in das Programm sinken.



Finanzierung

Die Betreuung und Finanzierung eines Loyalitätsprogramms sind für Banken anspruchsvoll. Ein wichtiger Einnahmefaktor beim weit verbreiteten Kartenmodell sind Gebühren, die Händler an Kartenherausgeber bezahlen. Hinzu kommen Einnahmen aus Fremdwährungstransaktionen, Verzugszinsen und der Nutzung der Kreditoption im Fall von Kreditkarten. Der finanzielle Spielraum für Belohnungen ist jedoch begrenzt. Ein Cashback von etwa einem halben Prozent kann bereits nahe an der wirtschaftlichen Grenze liegen, wenn zusätzliche Kosten wie Kundenbetreuung, IT, Marketing oder Betrugsprävention berücksichtigt werden.


Banken müssen daher zusätzliche Finanzierungsquellen erschliessen und Partnerschaften innerhalb eines Konzerns oder mit Dritten nutzen, um ein Loyalitätsprogramm wirtschaftlich tragfähig zu machen. Es empfiehlt sich auch, die Knüpfung eines Programms an margenstärkere Geschäftsfälle wie beispielsweise Börsentransaktionen zu prüfen.



Partnerökosystem

Loyalitätsprogramme können nicht nur Kosten verursachen, sondern auch Einnahmen generieren. Eine Möglichkeit besteht darin, Punkte an Partnerunternehmen zu verkaufen. Diese geben die Punkte dann im Rahmen eigener Marketingaktionen an ihre Kunden weiter.


Dieses Modell ist vor allem in der Airline-Industrie verbreitet, wo Banken und Fluggesellschaften eng zusammenarbeiten. Banken können ähnliche Partnerschaften aufbauen, etwa mit Handelsunternehmen oder Dienstleistern. Dadurch entsteht ein Netzwerk von Unternehmen, die gemeinsam ein Loyalitätsprogramm nutzen und finanzieren.



Accounting

Loyalitätsprogramme haben auch Auswirkungen auf die Rechnungslegung. Punkte können als ein Anspruch auf zukünftige Leistungen gelten. Loyalitätsprogramme haben somit, je nach deren Ausgestaltung, nicht nur marketingbezogene, sondern auch finanzielle Konsequenzen für Banken.



Datenschutz

Loyalitätsprogramme basieren häufig auf der Auswertung von Kundendaten, etwa Transaktionsdaten oder Nutzungsverhalten. In der Schweiz unterliegen solche Datenverarbeitungen dem revidierten Datenschutzgesetz. Können mehrere Personen zusammen Punkte sammeln, erhöht sich der Kundennutzen, aber auch die Komplexität.


Banken müssen daher transparent erklären, welche Daten sie nutzen und zu welchem Zweck. Gleichzeitig müssen Programme so gestaltet werden, dass Punkte nicht wie ein frei verwendbares Zahlungsmittel funktionieren. Wären Punkte frei übertragbar oder direkt auszahlbar, könnten zusätzliche regulatorische Anforderungen entstehen.



Operating Model

Ein modernes Loyalitätsprogramm benötigt eine umfangreiche technische und fachliche Infrastruktur. Systeme müssen Transaktionen erkennen, Punkte berechnen und Partnerangebote verwalten. Kunden müssen eine Anlaufstelle haben, bei welcher sie sich zum Programm und ihren Punkten erkundigen können. Aus Kosten- und Effizienzgründen sollte hier KI zumindest unterstützend eingesetzt werden.


Gleichzeitig müssen Banken den Erfolg des Programms kontinuierlich messen und erneuern. Dazu gehören Kennzahlen wie der Anteil aktiver Nutzer, die Zeit bis zur ersten Belohnung oder die Einlösungsquote der Punkte. Diese Kennzahlen zeigen, ob das Programm tatsächlich zur Kundenbindung beiträgt oder angepasst werden muss. Loyalitätsprogramme sind daher keine einmalige Marketingaktion, sondern ein langfristiges Steuerungsinstrument für Kundenbeziehungen.




Fazit

Ein erfolgreiches Loyalitätsprogramm im Banking ist kein Rabattprogramm, sondern ein ökonomisch gesteuertes System zur Kundenbindung und Verhaltenssteuerung.


Viele Banken behandeln Loyalitätsprogramme wie ein Marketinginstrument: Kunden erhalten Punkte oder Cashback als kleine Belohnung für ihre Nutzung. In Wirklichkeit entscheidet jedoch nicht die Höhe der Belohnung über den Erfolg, sondern die Gestaltung des Systems dahinter. Ein gutes Loyalitätsprogramm lenkt gezielt das Verhalten der Kunden – etwa hin zu Kartenzahlungen, Börsentransaktionen, digitalen Kanälen, langfristigen Anlagebeziehungen oder einer stärkeren Nutzung der Bank-App.


Dabei entsteht der eigentliche Wert nicht durch die monetäre Belohnung, sondern durch die Kombination psychologischer und emotionaler Effekte, klarer Sichtbarkeit der erzielten Fortschritte und wirtschaftlich steuerbarer Einlösemöglichkeiten. Banken müssen deshalb Loyalitätsprogramme wie eine kleine interne «Wirtschaft» betrachten: Sie bestimmen, wie schnell Punkte entstehen, deren Wert, wofür sie eingesetzt werden können und welche Partner am Programm beteiligt sind.


Die zentrale Herausforderung besteht darin, den wahrgenommenen Nutzen für Kunden zu erhöhen, ohne dass die realen Kosten über einen einfachen Preisnachlass hinausgehen. Gelingt dieses Gleichgewicht, kann ein Loyalitätsprogramm weit mehr sein als ein Bonusmechanismus: Es wird zu einem strategischen Instrument der Kundenbindung und Verhaltenssteuerung sowie langfristig zu einer Plattform für Kooperationen und zusätzliche Einnahmequellen.



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